Standortbestimmung
Ruth Lember, Mitte 50, führt ein sorgenfreies Leben. Als Philosophie-Professorin setzt sie ihrer Karriere mit der Berufung in den Deutschen Ethikrat das "i-Tüpfelchen" auf. Die Ehe mit ihrem Mann verläuft unaufgeregt-harmonisch. Mit dem Auftauchen eines "alten Freundes" aus Studientagen werden unerwartet Ereignisse aus Ruths Vergangenheit als Öko-Aktivistin in den 80er-Jahren an die Oberfläche gespült. Diese hatte Ruth für sich längst "ad acta" gelegt, jetzt aber bringen sie sie zunehmend aus dem Gleichgewicht. Die ungewollte Veröffentlichung von Details dieser lange zurückliegenden Aktivitäten zwingen Ruth zu einer Standortbestimmung: Wo ist sie mit all ihrem Gut- und Wahr- und Aufrichtig-sein-Wollen hingekommen?
Ulrich Woelk konfrontiert den Leser in seinem Roman "Mittsommertage" mit sehr aktuellen Fragestellungen: Unter welchen Umständen sind ziviler Widerstand und sogar Sabotage legitim? Beinhalten auch noch so hehre Anliegen eine Generallizenz zum Begehen von Straftaten? Durch seinen distanziert-beobachtenden Stil enthält sich Woelk jeglicher Bewertung und zwingt den Leser, eigene Standpunkte zu hinterfragen.
Ein Tipp von Thomas Mahlert