Der Schatten der Vergangenheit - Cover
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ISBN/EAN: 978-3-7374-1278-0
Einband: gebundenes Buch
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Übersetzer:
Klaudia Ruschkowski
Auflage:
1. Auflage 2026
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
416 S.

Hersteller:
S. Marix Verlag GmbH im Verlagshaus Römerweg GmbH
verlagshausroemerweg@sigloch.de
Römerweg 10
DE 65187 Wiesbaden


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Der Schatten der Vergangenheit

Roman - Der Aufruf, sich dem Leben im Bewusstsein der Gefährdung zu stellen, doch mit dem Vertrauen in sich selbst

Noch nicht lieferbar

Beschreibung

Casalino, ein versteckter Ort in der Po-Ebene. Die Heimat des temperamentvollen kleinen Adone. Er stammt aus armseligen Verhältnissen, hat aber das Glück, im Haus von Onkel Giovanni aufzuwachsen. Der wohlhabende Giovanni setzt den begabten Jungen als Erben ein. Sein unerwarteter Tod bedeutet für Adone eine Katastrophe. Das Testament zu seinen Gunsten verschwindet. Der gierige Bruder von Giovannis Witwe ergreift die Herrschaft über Haus und Hof. Adone, betrogen und ungeliebt, wird zum Störenfried. Er sehnt sich nach Gerechtigkeit. Er liebt Caterina, mit der er Kindheit und Sehnsüchte geteilt hat, sein Halt. Er verliebt sich in Maddalena, die Enkelin der reichen Dargenti, das gelobte Land. Der Widerspruch zerreißt ihn fast. Er träumt vom Weggehen und davon, frei zu sein. Zugleich erwächst in ihm die Ahnung, dass man nirgendwo glücklich sein kann, wenn man seine Wurzeln verliert. Sein Traum von einer Zukunft kämpft mit dem Schatten der Vergangenheit.

Über Grazia Deledda

Grazia Deledda geboren 1871 in Núoro, gestorben 1936 in Rom. Früh und ehrgeizig begann sie ihr Schreibtalent auszuleben. Unterhielt zahlreiche Briefwechsel mit wichtigen Größen. Ihr in 35 Sprachen übersetztes Werk (Novellen, Romane, Gedichte) ist bis heute viel gefragt. 1909 wurde sie im Wahlkreis Núoro vom Partito Radiale Italiano als Kandidatin für die Parlamentswahlen aufgestellt. Der ebenfalls aus Núoro gebürtige Marcello Fois hat ihr ein beeindruckendes Theaterstück gewidmet: 'Quasi Grazia', vielfach aufgeführt, in der Rolle der Grazia die 2023 verstorbene sardische Autorin Michela Murgia.

Leseprobe

Gefolgt von einem jungen, barfüßigen Fährmann kam Adone angerannt: Er tauchte unter den Laken hindurch und lief in die Küche, wo zia Tognina dabei war, den Proviantkorb zu füllen. Die Küche war groß und hatte gelbe Wände: Auf dem Sims des gewaltigen Kamins standen zwei Paar neue Schuhe, die Spitze nach oben, und zwei kupferne Kaffeekannen. Die Tische aus Walnussholz, der rote Backtrog, die polierten Eckschränke, alles strahlte Wohlstand und Ordnung aus. Adone heftete sich an Röcke der Tante, rieb sein rosiges Gesicht an ihrer Hüfte und ließ nicht eher von ihr ab als bis sie ihm den Korb in die Hand gedrückt hatte, von dem ein herzhafter Duft nach Brathuhn aufstieg. Ein paar Augenblicke später lief er hinter dem Fährmann her, der das Gepäck trug und mit langem Schritt schweigend voranging. Nachtigallen sangen in den Pappeln und Ulmen, die die Ränder der breiten Straße beschatteten, an der sich Gräben mit fließendem Wasser wie klare Bäche entlangzogen; Blumen in allen Farben schmückten das Gras und glitzerten im Tau. Giovanni begleitete Signor Carlino, der sämtliche Nachbarn freundlich gegrüßt und den kleinen Schwalben im Nest zum Abschied zugewinkt hatte. Die beiden Männer unterhielten sich, aber Adone schenkte ihnen keine Beachtung, da er versuchte, auf dem verzerrten Schatten des Fährmanns zu laufen. Er hatte das Gefühl, als würde er von dem seltsamen Gebilde, das einem Kamel auf zwei Beinen glich, mitgezogen. Doch plötzlich verschwand der Schatten und das Spiel war aus. Die Häuser im Ortszentrum begannen: zuerst das des Schmieds, rot vor einem Hintergrund aus grünen Bäumen, dann das des Tabakhändlers, darauf das des Schneiders, der zugleich auch Wirt war. Bis auf den Tabakladen mit seiner Auslage voller Kärtchen mit Blumen und durchbohrten Herzen waren alle Geschäfte geschlossen. Aus den Fenstern hingen bunte Gardinen und Tücher; am Ende der Gassen standen Bögen aus Laubwerk und Blumen; alle Tore waren malerisch geschmückt und ausstaffiert. Adone und der Fährmann, beide rot im Gesicht und glücklich, gingen nebeneinander her, wechselten ein paar Worte und lachten laut. Auf dem Rückweg zieh ich meinen neuen Anzug an und geh mit dem Onkel zur Messe, vertraute der Junge dem Mann an, der ihm bereitwillig zuhörte. Dann essen wir ein Huhn; dann besuch ich meine Mamma. Wer weiß, vielleicht bring ich ihr etwas mit, hoffentlich! Ich hab einen großen Korb voller Sachen: Wenn du mal kommst, zeig ich dir alles. Ganz unten gibt es was etwas ich sag dir nicht, was, vielleicht verpetzt du mich Also gut, ich sags dir trotzdem: Ich hab vier Münzen: Zwei bring ich der Mamma mit. Sie erreichten die weißgelbe Kirche am Ende einer Wiese, auf deren frisch gemähtes Gras einige Pappeln die säulenartigen Schatten ihrer hellen Stämme warfen. Durch diese Stämme hindurch, wie in einem marmornen Säulengang, konnte man gegenüber der Kirche eine grünliche Mauer und ein großes, rostiges Eisentor sehen. Und durch das Tor erblickte man einen verwilderten Garten, an dessen Ende ein Palazzo aus dem achtzehnten Jahrhundert stand, grau und einsam, die Fenster geschlossen, und dahinter ein Park, dessen dunkles Grün sich bis zu den Ufern des Po erstreckte. Adone und der Fährmann gingen am Tor vorbei, verließen die Ortsstraße und bogen auf einen Pfad, der sich für eine Weile zwischen der Mauer des Parks und der des Friedhofs dahinzog. An diesem verlassenen Ort klang der Gesang der Nachtigallen noch süßer und melodischer. Adone blieb stehen, um ein Nest zu betrachten, das er seit Tagen ihm Auge hatte, ja, das ihm seiner Meinung nach eigentlich gehörte. Der Fährmann ging weiter, er verlor sich im Schatten des Pfads: Man vernahm die Stimme des Onkels, er war aber noch nicht zu sehen. Adone nutzte das Alleinsein umgehend: Langsam, mit komödiantischem Gehabe, stellte er den Korb auf den Boden, hob behutsam das Tuch, sog genussvoll den Hühnchenduft ein. Aber nicht das war es, wonach er suchte. Auf einmal begann er zu lachen, mit einem Trillern, das sich mit dem der Nachtigallen vermischte. Gleich darauf wurde er wieder ernst und nachdenklich; e schwach und wird nicht lange leben. Ich brauchte einen Sohn: Der Herr hat mir keinen gegeben; also hab ich mir einen ausgeliehen! Du hast doch jede Menge Kinder, hab ich zu unserer Cousine Martina gesagt, gib mir eins. Ich habe Adone hochgehoben und mitgenommen. Und du meinst jetzt, ich sollte ihn zur Schule schicken? Kommt gar nicht in Frage, Carlin!