Beschreibung
Moskau ¿ Stalingrad ¿ Berlin ist das monumentale Finale von Theodor Plieviers schonungsloser Chronik des Krieges im Osten. In drei gewaltigen Stationen verfolgt der Autor den Weg eines verbrecherischen Feldzugs ¿ vom ersten Scheitern vor Moskau über den Untergang der 6. Armee in Stalingrad bis in die brennenden Trümmer Berlins. Plievier erzählt nicht aus der Perspektive der Sieger oder der großen Strategen, sondern aus der Nähe der Menschen: Soldaten, Offiziere und Zivilisten, gefangen in einem System aus Ideologie, Gehorsam und Gewalt. Er zeigt, wie der Krieg entmenschlicht, wie Schuld verdrängt und Leiden gerechtfertigt werden ¿ und wie am Ende eines fanatischen Durchhaltens nur Ruinen, Tod und moralischer Bankrott bleiben. Dieses Buch ist mehr als ein historischer Roman. Es ist ein literarisches Zeugnis gegen den Krieg, eine Anklage gegen Militarismus und Menschenverachtung ¿ und eine eindringliche Mahnung, wohin Nationalismus und blinder Gehorsam führen. Ein Werk von bedrückender Aktualität.
Über Theodor Plievier
Theodor Otto Richard Plievier wurde am 17. Februar 1892 in Berlin geboren. Er wuchs im Arbeiterbezirk Gesundbrunnen auf und kam früh mit Literatur, sozialem Elend und politischen Ideen in Berührung. Bereits als Jugendlicher veröffentlichte er Texte in anarchistischen Zeitschriften. Sein unruhiger Lebensweg führte ihn durch Europa und Südamerika, wo er unter anderem als Matrose, Minenarbeiter, Viehtreiber und Gelegenheitsarbeiter arbeitete ¿ Erfahrungen, die sein späteres Schreiben nachhaltig prägten. Während des Ersten Weltkriegs diente Plievier als Matrose in der kaiserlichen Marine. Die brutalen Zustände an Bord des Hilfskreuzers Wolf und das elende Leben der einfachen Soldaten wurden zum Ausgangspunkt seines literarischen Durchbruchs. Mit dem 1930 erschienenen Roman "Des Kaisers Kulis" gelang ihm über Nacht internationale Bekanntheit. Das Buch ist eine schonungslose Anklage gegen Militarismus, Hierarchie und Krieg und machte Plievier zu einer wichtigen Stimme der antimilitaristischen Literatur der Weimarer Republik. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden seine Werke verboten und verbrannt. Plievier floh ins Exil, das ihn über mehrere europäische Länder schließlich in die Sowjetunion führte. Dort arbeitete er zeitweise als Rundfunkautor und Mitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland. Auf Grundlage intensiver Recherchen, Gespräche mit Kriegsgefangenen und der Auswertung von Feldpostbriefen entstand sein bekanntestes Werk: "Stalingrad". Der Roman erschien 1945 und war das erste literarische Werk, das den Untergang der 6. deutschen Armee ungeschönt, aus der Perspektive der einfachen Soldaten schilderte. Er wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und weltweit gelesen. Mit "Moskau" (1952) und "Berlin" (1954) setzte Plievier diese Darstellung fort und schuf eine monumentale Romantrilogie über den Zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Im Mittelpunkt steht dabei stets nicht die Strategie der Generäle, sondern das Leiden der Menschen im Mahlstrom der Geschichte. Plievier verband dokumentarische Genauigkeit mit erzählerischer Kraft ¿ ein Stil, der seine Bücher bis heute eindringlich macht. Nach 1945 arbeitete Plievier kurzzeitig in der Sowjetischen Besatzungszone, unter anderem als Verlagsleiter und Abgeordneter. Doch der zunehmende politische Dogmatismus veranlasste ihn, 1947 den Osten zu verlassen. In Westdeutschland und später in der Schweiz trat er entschieden für individuelle Freiheit, gegen jede Form von Totalitarismus und für ein vereintes Europa ein. Diese Haltung bestimmte sein Spätwerk ebenso wie seine öffentlichen Reden. Theodor Plievier starb am 12. März 1955 im schweizerischen Avegno. Sein Werk wurde in den Jahrzehnten nach seinem Tod vielfach neu aufgelegt und gehört heute zu den wichtigsten literarischen Zeugnissen des 20. Jahrhunderts über Krieg, Exil und Gewissensfreiheit. Seine Romane sind keine Heldenepen, sondern eindringliche Mahnungen ¿ geschrieben aus der Erfahrung eines Menschen, der Krieg, Armut und politische Verfolgung selbst erlebt hat.
Leseprobe
Das russische Kapitulationsangebot war abgelehnt worden. Die Folge war die Liquidierung des Kessels. Der erste Schlag öffnete die Front im Norden im Raum von Dmitrewka und gleichzeitig im Süden im Raum von Krawzow und Zybenko. Der weiter getragene Stoß führte im Norden bis zu dem an der Eisenbahnlinie Kalatsch¿Stalingrad gelegenen großen Steppendorf Karpowka, und im Süden zielte er ebenfalls auf Karpowka. Die aus der "Nase" flüchtenden Truppen, in der Hauptmasse war es die 3. I.D. (mot.), ließen einen Teil ihres Menschen- und Materialbestandes in einem tobenden Schneesturm zurück; und östlich Karpowka bei Nowo-Rogatschik gerieten die Haufen aufs Neue ins Feuer, dieses Mal in den von Süden vorgetragenen Stoß der Roten Armee. Die schon jenseits des Dons bei Kletskaja schwer angeschlagene 376. I.D., jetzt in der Richtung des Hauptstoßes liegend, hörte an dieser Stelle auf zu bestehen. Die in letzter Stunde zur Ablösung geschickte 29. I.D. (mot.) wurde in den Untergang hineingerissen, und nur Trümmer beider Divisionen fielen nach Osten zurück. Die weiter nördlich liegende 344. I.D. und auch die 76. I.D. wurden ebenfalls nach Osten abgedrängt. Dieses Mal war es die noch weiter nördlich liegende und bisher der Nordriegelstellung angehörende 113. I.D., die den stillstehenden Drehpunkt bildete, um den herum die Schwenkung auszuführen war. Diese Schwenkung aber war Flucht durch schneezertoste Räume und war Zurückfallen von einem Schlachtfeld, auf dem das Material von Divisionen weggeworfen wurde und auf dem nach drei Tagen währenden Kämpfen 30 000 Tote zurückblieben. Die neue Widerstandslinie, die nicht in befohlenem und ordentlich durchgeführtem Rückzug, sondern in Blut und Auflösung vom Armeeoberkommando angestrebt wurde, und die nichts als eine Linie auf dem Papier und ein auf den Generalstabskarten von Norden nach Süden und quer durch den Kessel verlaufender Strich war, trug das Kennwort "Veilchen". Dieser Linie im Leeren strebten die Trümmer der an der Westfront geschlagenen Divisionen zu. Die 113. I.D. im Norden hatte nur eine Schwenkung durchzuführen und das Gesicht nach Westen zu kehren. Die 76. I.D. hatte schon zu marschieren. Die 44. I.D. hatte schon einen weiten Weg durch Schnee und Sterben zurückzulegen. Die Reste der 29. I.D. (mot.) und der 3. I.D. (mot.) und die Haufen der auf dem Papier weitergeführten 376. I.D. hatten schon einen zu weiten Weg, und es waren nur noch Elendshaufen, welche die Schneefelder erreichten, die auf den Stabskarten als Abschnitte der Widerstandslinie "Veilchen" galten. Fünf deutsche Divisionen flohen ¿ marschierten, in Ordnung, in Unordnung, verpflegt oder von der Verpflegung abgerissen, in Auflösung, auseinanderfallend, sich wieder sammelnd, nach Osten. Dmitrewka war überrannt worden. Karpowka, Nowo-Alexejewka, Baburkin und die Bunkerdörfer am Rossoschkaflüsschen wurden von den Stäben in Panik geräumt. Geöffnete Koffer, zusammengeballte Decken, Uniformstücke, verstreute Akten, Notschlachtungen, lebend verladene Schweine, nach Osten getriebene Kühe, aus Hoftoren herausschwankende hochbeladene Lastkraftwagen, Kübelwagen, Befehlsomnibusse, Ferngespräche, Schreie nach Benzin für Verpflegungslager, Verwundetensammelstellen, für den Stab. Schneesturm. 28 Grad unter Null.
E-Book Informationen
Allgemeine E-Book-Informationen
E-Books in diesem Webshop können in den Dateiformaten EPUB und PDF vorliegen und können ggf. mit einem Kopierschutz versehen sein. Sie finden die entsprechenden Informationen in der Detailansicht des jeweiligen Titels.
E-Books ohne Kopierschutz oder mit einem digitalen Wasserzeichen können Sie problemlos auf Ihr Gerät übertragen. Sie müssen lediglich die Kompatibilität mit Ihrem Gerät prüfen.
Bei E-Books die mit Readium LCP geschützt sind erscheint bei dem ersten Öffnen auf ihrem Reader ein Hinweisfenster mit der Aufforderung ein Passwort einzugeben. Gleichzeitig öffnet sich ein Infofeld in dem das Passwort steht. Tragen Sie dieses Passwort in das Eingabefeld ein und bestätigen Sie die Eingabe. Danach öffnet sich das E-Book automatisch. Um E-Books die mit Readium LCP geschützt sind auf einem Tablet/Laptop/Smartphone lesen zu können, benötigen Sie ein Programm, das in der Lage ist, mit diesem Kopierschutz umzugehen. Das ist z.B. der Thorium Reader (Windows, Mac, Linux) oder die PocketBook App (iOS, Android). Fügen Sie das heruntergeladene E-Book in das Programm ein. Bei dem ersten Öffnen erscheint ein Hinweisfenster mit der Aufforderung ein Passwort einzugeben. Gleichzeitig öffnet sich ein Infofeld in dem das Passwort steht. Tragen Sie dieses Passwort in das Eingabefeld ein und bestätigen Sie die Eingabe. Danach öffnet sich das E-Book automatisch.
Alle hier erworbenen E-Books können Sie in Ihrem Kundenkonto in die kostenlose PocketBook Cloud laden. Dadurch haben Sie den Vorteil, dass Sie von Ihrem PocketBook E-Reader, Ihrem Smartphone, Tablet und PC jederzeit auf Ihre gekauften und bereits vorhandenen E-Books Zugriff haben.
Um die PocketBook Cloud zu aktivieren, loggen Sie sich bitte in Ihrem Kundenkonto ein und gehen dort in den Bereich „Downloads“. Setzen Sie hier einen Haken bei „Neue E-Book-Käufe automatisch zu meiner Cloud hinzufügen.“. Dadurch wird ein PocketBook Cloud Konto für Sie angelegt. Die Zugangsdaten sind dabei dieselben wie in diesem Webshop.
Weitere Informationen zur PocketBook Cloud finden Sie unter www.meinpocketbook.de.